Streit um Glyphosat

Glyphosat zählt zu den weltweit am meisten eingesetzten Wirkstoffen in Pflanzenschutzmitteln. Wie jeder andere Pflanzenschutzmittelwirkstoff wird auch diese Substanz im Rahmen der EU-Wirkstoffprüfung turnusmäßig hinsichtlich seiner Risiken für Gesundheit und Umwelt sowie seiner Wirksamkeit neu bewertet. Hierfür wurde das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) beauftragt.

Die Verantwortlichen des BfR stellen in ihrem Abschlussbericht fest, dass nach derzeitigem wissenschaftlichen Kenntnisstand bei bestimmungsgemäßer Anwendung von Glyphosat kein krebserzeugendes Risiko für den Menschen zu erwarten ist. Geprüft und ausgewertet hat das BfR mehr als 1.000 Studien, Dokumente und Veröffentlichungen.

Zu einem ganz anderen Ergebnis kommt die internationale Krebsforschungsagentur (IARC), die im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation WHO tätig ist, in ihrer jüngst veröffentlichten Monografie über Glyphosat. Darin bewerten die IARC-Wissenschaftler Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend.

Wie kommt es zu solch unterschiedlichen Bewertungen?
Die Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft Glyphosat (AGG), Ursula Lüttmer-Ouazane, meint, dass dies „mit den fundamental unterschiedlichen Herangehensweisen zusammenhängt, da der Auftrag der IARC ausdrücklich nicht die Risikobewertung ist, sondern allein die Identifikation möglicher Gefahren.“ Tatsächlich hebe die IARC diesen Unterschied in der Präambel zur ihren Monographien hervor. Dort steht: „Die Unterscheidung zwischen Gefahr und Risiko ist entscheidend, und die Monographen ermitteln Krebsgefahren auch dann, wenn bei der aktuellen Exposition die Risiken sehr gering sind, da künftige Nutzung oder unvorhersehbare Exposition Risiken hervorrufen könnten, die bedeutend höher sind.“

Welche Risiken der Einsatz von Glyphosat tatsächlich birgt, ist für die Risikobewerter schwierig zu beurteilen. Denn in der Praxis wird Glyphosat nie in Reinform auf die Felder gesprüht, sondern die Substanz ist immer nur ein Bestandteil eines Pestizidmixes. Mehr als 750 verschiedene Glyphosatmischungen hat die IARC weltweit gezählt. Viele dieser Mischungen enthalten Stoffe, die in Europa längst nicht mehr zugelassen sind.

Aufgrund der Verunsicherung und der breiten öffentlichen Diskussion hat das BfR Fragen und Antworten zu Glyphosat und glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln online gestellt.

Wie geht es nun weiter mit Glyphosat?
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) wird auf Basis des BfR-Berichts eine Empfehlung für die Europäische Kommission erarbeiten. Nur die Europäische Kommission kann in Abstimmung mit allen europäischen Mitgliedsstaaten über
die Genehmigung oder erneute Genehmigung eines Pflanzenschutzmittelwirkstoffs ent-
scheiden.

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