WHO: Styrol wahrscheinlich krebserregend

Die im französischen Lyon ansässige Internationale Agentur für Krebsforschung (International Agency for Research on Cancer, IARC), eine Einrichtung der WHO, stuft Styrol, Styrol-6,8-oxid und Chinolin als „wahrscheinlich karzinogen (2A)“, ein. Zuvor hatte die Agentur Styrol lediglich in der Kategorie „möglicherweise karzinogen (2B)“ gelistet. Die höhere Einstufung hat Folgen für Länder, in denen die IARC-Einstufung maßgeblich für die Gesetzgebung ist, wie etwa in Kalifornien.

Anlass der Neubewertung ist eine Studie, die im April in der Fachzeitschrift The Lancet erschien. Danach leiden Arbeiter, die verstärkte Kunststoffe herstellen und deshalb häufig mit Styrol in Berührung kommen, häufiger an malignen lymphohämatopoetischen Erkrankungen. Entsprechend erachten die Autoren die Studie als stichhaltigen Beweis, dass die Belastung mit Styrol zu dieser Form von Krebs führt. Allerdings räumen sie ein, dass die Methode den Einfluss von Zufall, Verzerrung oder Störgrößen (confounding, bias or chance) nicht zweifelsfrei ausschließen kann.

Im Gegensatz dazu sind die bislang gewonnenen Erkenntnisse aus Tierversuchen eindeutig. Die Forscher schließen daraus, dass die Mechanismen bei Tier und Mensch gleich sind und der Stoff folglich gentoxisch wirkt.

Nach Angaben der Fachzeitschrift „Procedia Engineering“ wurden im Jahr 2012 rund 20 Millionen Tonnen Styrol produziert. Mehr als die Hälfte wird zu Polystyrol verarbeitet. Chinolin dient als Rohstoff zur Herstellung von Medikamenten und Farbstoffen. Aus Styroloxid werden Epoxidharze gefertigt.

Der US-amerikanische Chemieverband (American Chemistry Council, ACC) kritisierte die neue Einstufung von Styrol. Sie sei nicht nachzuvollziehen, denn die Studien beruhten auf veralteten Vorschriften, die gerade von einem Expertengremium überarbeitet werden, sagte Cal Dooley, Präsident und CEO des Verbands. Verdächtig erscheint ihm auch der Zeitpunkt der Veröffentlichung, denn Anfang 2019 werde ein neuer IARC-Direktor ernannt, der möglicherweise ganz andere Untersuchungsschwerpunkte lege.

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