ECHA stuft Stoff als SVHC ein – erstmals aufgrund seiner Umweltmobilität

Der ECHA-Ausschuss der Mitgliedstaaten (Member State Committee, MSC) könnte künftig Stoffe, die beständig sind und sich daher rasch in der Umwelt verbreiten, als besonders besorgniserregend (SVHC) einstufen. Auf ihrer Sitzung Ende Juni in Helsinki haben die Vertreter des Ausschusses dafür einen Präzedenzfall geschaffen und die Chemikalie 2,3,3,3,3-Tetrafluor-2-(heptafluorpropoxy)propionsäure (HFPO-DA) sowie deren Salze und Acylhalogenide aufgrund ihrer Umweltmobilität erstmals zu den SVHC gerechnet. Die ECHA wird die neu identifizierten SVHCs im Juli 2019 in die Kandidatenliste aufnehmen.

HFPO-DA (Nickname „Forever chemical“) und deren Derivate werden auch als GenX-Stoffe bezeichnet. Sie dienen als Ersatzstoffe für PFOA zur Herstellung von Fluorpolymeren.

Die Vorsitzende des ECHA-Ausschusses Charmaine Ajao sprach in einem Gespräch mit der Informationsplattform ChemicalWatch von einem sehr wichtigen Meilenstein. Umweltmobile Stoffe seien ebenso besorgniserregend (Equivalent Level of Concern, ELOC) wie krebserzeugende, erbgutverändernde und fortpflanzungsgefährdende (CMR), wie persistente, bioakkumulierende und toxische (PBT) sowie sehr persistente und sehr bioakkumulierende (vPvB) Stoffe. Niederländische und deutsche Behörden (Umweltbundesamt) nehmen schon seit längerem mobile Schadstoffe ins Visier.

Das niederländische Ministerium für Infrastruktur und Wasserwirtschaft hatte den Vorschlag gemacht, HFPO-DA als SVHC einzustufen und die Eigenschaften der Substanzen und deren Auswirkungen auf die aquatische Umwelt beschrieben. Sie sind gut wasserlöslich und haben daher ein geringes Adsorptionspotenzial. Beim Versickern und bei ihrer Wanderung durch die Bodenschichten binden sie sich folglich nicht oder nur sehr schlecht an Sedimente. Genau diese Eigenschaft macht sie so mobil, sodass selbst herkömmliche Wasseraufbereitungsverfahren nicht greifen.

Der ECHA-Ausschuss erörterte auch die gesundheitlichen Folgen der Substanzen für den Menschen. Einige Studien deuten auf eine krebserregende Wirkung von HPFO-DA hin, ebenso auf endokrine Störungen.

Allerdings sind die meisten Tests zum Bestimmen der Bioverfügbarkeit und Bioakkumulation auf fettlösliche Chemikalien ausgerichtet und nicht auf wasserlösliche.

Genau hier haken Kritiker ein. Es habe sich gezeigt, so ein Sprecher des HFPO-DA-Herstellers Chemours gegenüber ChemicalWatch, dass die Substanz aufgrund der guten Wasserlöslichkeit im Gegensatz zu den Vorgängerverbindungen schnell wieder aus dem Körper ausgeschieden wird.

Auch der Verband der Europäischen Chemischen Industrie, Cefic, kritisiert die Einstufung von Stoffen auf Basis von ELOC. Ihnen sind die Einstufungskriterien zu schwammig. In einem Positionspapier legten sie ihre Argumente und Bedenken ausführlich dar.

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